Magisch, surreal und einzigartig – Mystisches Tarot von Catrin Welz-Stein

Kaum kann man den Blick von diesem Deck wieder abwenden, wieder und wieder wird man in den Bann gezogen – das Mystische Tarot von Catrin Welz-Stein entwickelt eine atemberaubende Bildsprache und entführt uns in surreale, groteske, aber auch einzigartige und wunderschöne Szenerien. Die neu interpretierte und tief inspirierende Symbolik des Decks eröffnet uns einen innovativen Zugang zu Tarot.

Jede Karte ist ein Meisterwerk der digitalen Kunst. Und jede dargestellte Figur entwickelt ihre eigene, symbolische Welt. In der Großen Arkana faszinieren bildliche Neuinterpretationen wie zum Beispiel der Teufel als Fliegenpilz-Spinne, der Mond als Octopus-Frau oder der Wagen als Schnecken-Frau.

Es fällt auf, dass meist weibliche Figuren Verschmelzungen mit Tieren, Pflanzen oder Naturgewalten eingehen und als unzertrennbare Einheit symbolisch neu aufgeladen werden.

Bei den Kleinen Arkana ist vor allem auch die Vielschichtigkeit der Symbole spannend – so erscheinen zum Beispiel die Kelche mal als Blüten, Tassen, Sterne oder die Schwerter als Haarnadeln, Federn oder Bäume. Trotzdem ist jede Karte durch die in ihr verwobenen Elemente Wasser (Kelche), Erde (Scheiben), Feuer (Stäbe) und Luft (Schwerter) ihrer Reihe zuordbar.

Zwei Karten des Decks ziehen mich immer wieder besonders magisch an: zum einen der Turm, zum anderen der weibliche König der Kelche (5 Zusatzkarten lassen den Nutzer zwischen weiblichen oder männlichen König wählen, die Königin bleibt aber bestehen).

Der Turm erscheint nicht als rein unbelebtes Gebäude, sondern erwächst aus einem Vulkan, der wiederum eine Verschmelzung mit einer Frau darstellt. Rauchschwaden und Risse im Turm unterstreichen die explosive Energie der Szene. Einzigartig finde ich, dass der Turm somit als ein innerer Teil unseres Selbst erscheint, der Zusammensturz kommt nicht von außen, sondern die Transformation findet in uns statt. Ein Teil von uns selbst stürzt ein – aber die Frau, die eins mit dem Vulkan und dem Turm erscheint, reagiert darauf nicht geschockt, nicht schreiend, ängstlich oder wütend – ihr Gesichtsausdruck ist ruhig, liebevoll und entspannt. Sie umfasst den einstürzenden Turm liebevoll, als akzeptiere sie die Zerstörung als nicht abwendbar, völlig in Ordnung und gut. Sie schützt die Überbleibsel – aber wehrt sich nicht gegen die Katastrophe, die unabwendbar stattfindet.

In eindrucksvoller Weise zeigt diese Karte so, dass auch die scheinbare Katastrophe, der Zusammensturz unserer Sicherheiten, nicht abgelehnt werden muss, sondern eine Entwicklung von uns und für uns selbst ist, die wir liebevoll annehmen können und sollten. Gerade in der jetzigen Krisenzeit, in der der Turm so passend erscheint, zeigt uns die Karte, dass wir uns gegen alle unabwendbaren Veränderungen und Zusammenbrüche nicht wehren, sondern sie als Teil unserer Wirklichkeit, ja unserer eigenen Entwicklung akzeptieren sollten.

Eine ähnlich bedrohliche Kulisse entwirft der weibliche König der Kelche. Wir befinden uns weit auf offener See, das Meer ist aufgewühlt. Aus den tiefen Wellen erhebt sich ein gigantischer Felsen, der zugleich das Kleid einer weiblichen Figur darstellt. Gigantische Octopus-Arme zieren ihr Haupt wie ein Hut. Doch die Meeresfrau wirkt nicht zerstörerisch, das heranfahrende Schiff zerschellt nicht an ihrem Riff, sondern sie öffnet ihr Felsen-Kleid und lässt das große Segelschiff hindurchfahren. Ein kleineres hält sie schützend auf dem Arm. So wird der bedrohliche Felsen im Meer fast ein schützender Hafen. Das Wasser symbolisiert die mächtigen Gefühle, die riesig groß werden können, aber dennoch in diesem Fall Geleit bieten, ja beschützen. Der König/die Königin der Kelche weiß das Schiff, das Ego, durch die großen Gefühle sicher zu beschützen und zu geleiten.

Für mich ist diese Aussage symbolisch eindrucksvoll dargestellt und zeigt die Fähigkeit, durch innere, weibliche Kraft die bewussten und unbewussten, auch noch so mächtigen inneren Gefühle als positives Tool zu verwenden, um sicher in den Hafen zu kommen. Die Meeres-Frau zeigt uns, dass das scheinbar Bedrohliche das Tor zur Glückseligkeit und inneren Sicherheit ist. Wir sollten uns trauen, mutig auf den Felsen zuzusegeln und zu spüren, dass, wenn wir durch die Gefühle hindurchgehen, diese zu unseren liebevollen Partnern werden und wir keine Angst mehr haben müssen.

Das Mystische Tarot von Catrin Welz-Stein

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